#08 Wofür sich Mut lohnt
Shownotes
Liebe im Job bleibt selten folgenlos. Sie verändert Dynamiken, Entscheidungen und Selbstbilder.
In dieser Episode erzählt Anna von einer Liebe, die während ihrer Zeit im Einzelhandel in Spanien beginnt und am Arbeitsplatz eigentlich nicht sein darf. Als die Beziehung bekannt wird, folgen Konsequenzen. Ihr Partner wird zunächst versetzt und entscheidet sich später dafür, zu kündigen.
Was folgt, sind prägende gemeinsame Jahre. Die beiden verlassen Spanien, ziehen nach Deutschland und bekommen eine Tochter. Auch wenn ihre Beziehung später endet, blickt Anna heute auf diese Zeit und die damaligen Entscheidungen ohne Bedauern zurück.
Es geht um Liebe, Mut und die Frage, was wir bereit sind zu verändern, wenn äußere Umstände gegen eine Beziehung sprechen. Und darum, dass der Wert einer gemeinsamen Geschichte nicht unbedingt daran gemessen werden muss, ob sie für immer hält.
Annas Fazit ist dabei so einfach wie klar: Der Mut für die Liebe lohnt sich immer.
"Berufsverkehr" ist aus meinem Buch „Karrierefaktor Sex“ entstanden. Während ich dort psychologische und strukturelle Dynamiken im Arbeitsleben analysiere, öffnet der Podcast einen Raum für persönliche Perspektiven und reale Erfahrungen am Arbeitsplatz.
Mehr zu mir, meiner Arbeit und zum Buch „Karrierefaktor Sex“ findest du unter www.nancy-hanisch.de.
Transkript anzeigen
00:00:09: Das ist Berufsverkehr.
00:00:11: Der Podcast über Liebe, Nähe und Beziehung im Arbeitsleben – echte Stimmen, echte Gefühle, echten Begegnungen!
00:00:19: Von und mit Nancy Hanisch.
00:00:33: Damit
00:00:33: starten wir und ich sage schön, dass du da bist.
00:00:37: Erzähl uns ein bisschen: wer bist du?
00:00:38: Und wer warst du zu der Zeit, als du beruflich mehr Gefühle erlebt hast, als da eigentlich vorgesehen waren?
00:00:46: Ja, erstmal danke, dass ich hier sein darf.
00:00:48: Ich bin die Anna aus Eschborn.
00:00:51: Und ich war damals bei Lidl in Spanien, genauer gesagt in Sevilla in Andalusien.
00:00:59: Und dort war ich seit schon fünf Jahren zu dem Zeitpunkt und habe als beauftragte für Personal und Soziales gearbeitet.
00:01:12: Für das Lager in Sevilla und alle Filialen, die dazugehört haben, habe ich das Onboarding gemacht für neue Mitarbeiter.
00:01:19: Für Filialeiter, Verkaufsleiter, Lagerleiter... Und hab die dort in den Filialen besucht, hab das Onboarding überwacht und hab geschaut, wie es denen geht.
00:01:29: Wie läuft die Einarbeitung?
00:01:31: Wie fühlen sie sich in der Filiale?
00:01:33: Wie finden Sie das Hotel?
00:01:35: Wie läuft der Aufenthalt?
00:01:37: Ja!
00:01:37: Ich hab die Sicherheitsschulungen gemacht für die neuen Mitarbeiter Und ich habe damals eine Kollegin gehabt, die Anna und die hatte den Bezirk in Huelva herum.
00:01:50: Wer sich dort in Andalusien so ein bisschen auskennt.
00:01:52: Und sie hat mich damals angerufen und hat gesagt: Oh, ihr ist jemand gekommen in die Einarbeitung und den musst du kennenlernen!
00:02:02: Warte, warte, Moment.
00:02:03: Das muss ich kurz noch ein bisschen hören.
00:02:07: Also, ihr wart Anna und Anna im Personalbereich, okay, das ist ja irgendwie an sich schon mal ganz drollig.
00:02:13: Und dann hat dich deine Kollegin quasi darauf aufmerksam gemacht: Hey, hier ist jemand und der könnte dir potenziell gefallen.
00:02:18:
00:02:19: Sie war Bezirksleiterin und sie war meine einzige Kollegin.
00:02:26: Man muss dazu sagen, in Andalusien ist doch noch der Mann eher, der dominiert in den Führungspositionen.
00:02:34: Und deswegen waren wir die einzige Frauen und deswegen waren natürlich auch sehr eng miteinander und sehr eng befreundet und haben uns auch privat sehr viel ausgetauscht und gegenseitig supported.
00:02:45: Muss man ja machen ,denn der Rest waren alles nur Männer.
00:02:48: Ja ich glaub,
00:02:49: das ist gar nicht so viel anders zu Deutschland, zumindest, wenn wir ein bisschen auf aktuelle Trends schauen.
00:02:55: Ich sag's mal so, wir arbeiten dran und ich glaube, es ist noch viel Luft nach oben.
00:03:00: Was ist dann weiter passiert?
00:03:01: Bei uns war es üblich, wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht auf der Arbeit.
00:03:07: Lidl ist bekannt, Einzelhandel.
00:03:09: Wir hatten eine 60-Stunden-Woche,
00:03:11: teilweise haben wir noch bis spät in die Nacht Inventuren gemacht, die ganze Filiale gezählt und sind danach oftmals noch zusammen ausgegangen.
00:03:20: Und es war so, dass der Alessandro..
00:03:26: Also der Mann, um den es geht.
00:03:28: Ja!
00:03:29: Der Alessando war in der Filialeinarbeitung und meine Kollegin hat ihn dann mitgebracht und wir waren alle zusammen unterwegs und haben zusammen was getrunken, haben getanzt.
00:03:42: Was man halt so macht in Spanien, achts bis drei, vier Uhr und so mit den Kollegen.
00:03:49: Okay!
00:03:49: Und wie war das?
00:03:50: Also irgendwie seid ihr euch ja näher gekommen?
00:03:52: Magst du uns ein bisschen mehr zu erzählen?
00:03:55: Ja gerne... also erst mal muss ich dazu sagen, ist er mir vor allen Dingen deswegen aufgefallen, weil er war super charmant.
00:04:05: Die Spanier, denkt man immer so, die sind so charmant und romantisch, aber das Gegenteil ist der Fall.
00:04:17: Also die Spanier, die ich zu der Zeit kennengelernt habe, waren eher schroff und direkt.
00:04:22: Und es war auch so, wenn ich abends in der Disco war und hab einen Spanier kennengelernt, dann haben sie gefragt, wo ich arbeite.
00:04:29: Dann habe ich gesagt: "Bei Lidl."
00:04:30: Und dann hat er gesagt: "Ach, du bist Kassiererin bei LIDL."
00:04:33: Und als ich dann gesagt habe: "Nee, ich bin die Chefin", dann hatten die oftmals gar nicht so eine große Lust, mich weiter kennen zu lernen.
00:04:39: Oh krass, okay.
00:04:41: Und dann fandest du sozusagen ein helles Licht, was ja deutlich davon abgewichen ist?
00:04:47: Ja, genau, also allein schon von der Sprache her.
00:04:51: Der Alessandro hat immer alle angesprochen mit
00:04:54:
00:04:59: "mein Himmel".
00:05:02:
00:05:03: Also nicht nur mein Stern oder meine Sonne, sondern der ganze Himmel.
00:05:08: Er war super charmant, er hat einem den Stuhl ran gerückt.
00:05:13: Er hat die Tür aufgehalten und beim Auto die Tür zugemacht.
00:05:20: Ich habe ihn einmal nicht gemerkt, dass er an der Autotür ist.
00:05:27: Ja, also er war super charmant und super romantisch.
00:05:31: Und später, als wir uns näher kennengelernt haben, hat er auch kleine Briefe geschrieben und Notizen hinterlassen, kleine Überraschungen ständig gemacht.
00:05:38: Also wirklich super romantisch und sehr aufmerksam.
00:05:42: Das klingt auf jeden Fall sehr nach Gentlemen!
00:05:46: Was ist dann genau zwischen euch passiert?
00:05:49: Es war so, wir waren dann auch abends zusammen tanzen und er ist Latino.
00:05:54: Er kommt aus Venezuela, ein ganz toller Tänzer.
00:05:58: Und dann wurde ich auf eine Hochzeit eingeladen von einer Kollegin von uns.
00:06:04: Die kannten ihn zwar nicht,
00:06:10: ich durfte aber jemanden mitbringen.
00:06:17: Und dann hattest du quasi eine schöne Gelegenheit, eine Einladung auszusprechen.
00:06:21: Genau. Ich habe dann gefragt: "Hast Du Lust, sowas mal mitzuerleben?"
00:06:25: Denn eine andalusische Hochzeit ist wirklich was ganz Besonderes. Da gibt es dann Flamenco-Sänger und Gitarrenmusik und die ganze Zeremonie in der Kirche,
00:06:35: das ist wirklich wunderschön.
00:06:40: Und ich wusste natürlich auch, ich habe dann einen guten Tänzer an meiner Seite.
00:06:43: Das ist ja auch immer ganz praktisch bei so einer Hochzeit Und ich hatte die Garantie, dass, wenn ich mit einem Mann dort aufkreuze, ich nicht irgendwie angegraben werde.
00:06:53: Also strategisch sinnvoll aus mehreren Gründen!
00:06:58: Ich nehme an, er hat zugesagt und ihr habt diesen Abend zusammen verlebt?
00:07:02: Ja, es war ein super schöner Abend und das war auch sehr lustig und sehr rührend. Die Kollegin hatte durch einen tragischen Unfall ihren Mann, den sie eigentlich heiraten wollte, verloren gehabt vor ein paar Jahren und hat dann aber einen neuen Mann kennengelernt.
00:07:20: Und dann gab es Videos mit so einer tollen romantischen Musik.
00:07:26: Und die Stimmung war natürlich super romantisch!
00:07:29: Da sind wir uns zum ersten Mal näher gekommen und haben uns dort auch das erste Mal geküsst tatsächlich.
00:07:36: Hey, das klingt erstmal alles sehr nach Bilderbuch.
00:07:39: Jetzt hast du ja schon verraten, du warst in einer recht hohen Position.
00:07:44: In welcher Position war Alessandro?
00:07:47: Also, er war auch in der gleichen Position wie ich vom Gehaltslevel her oder vom Führungsniveau her.
00:07:54: Er war von den kanarischen Inseln, dort wurdezu der Zeit ein Lager aufgebaut für Lidl. Und er war auf dem Festland in der Einarbeitung.
00:08:07: Wir waren ja auf dem Festland in Sevilla und er sollte sich dort vorbereiten, um dann den Jobauf den Kanaren zu übernehmen.
00:08:15: Er sollte einer der Abteilungsleiter werden fürs Lager.
00:08:21: Ah okay!
00:08:23: Wie seid ihr damit umgegangen?
00:08:25: Ihr habt jetzt diese besondere Hochzeit miteinander verlebt und wunderschönen Abend für euch.
00:08:30: Wie ging es weiter?
00:08:32: Am Anfang war es natürlich total schön.
00:08:34: Wir haben uns am Wochenende oder nach unserem freien Tag gesehen, ein richtiges Wochenende hat man ja nicht im Einzelhandel.
00:08:41: Wir waren zusammen essen, wir haben zusammen Zeit verbracht, meistens bei mir in der Wohnung und wir haben das wirklich genossen.
00:08:49: Ich habe auch ganz am Anfang nicht daran gedacht, dass es was Ernstes werden könnte.
00:08:54: Weil für mich war klar, er ist für ein paar Monate bei uns in der Einarbeitung.
00:08:59: Wir haben eine tolle Zeit und irgendwann geht er wieder zurück auf die Kanaren und wird dann dort seinen Posten übernehmen.
00:09:06: Okay, das heißt, ihr habt's erst mal auch für euch behalten und für dich war es eher so etwas auf Zeit?
00:09:14: Ja!
00:09:15: Was ich noch nicht dazu gesagt habe... Bei Lidl in Spanien war es verboten tatsächlich, eine Beziehung zu führen mit einem Kollegen.
00:09:27: Also hattet ihr ja quasi erstmal gar keine andere Möglichkeit, als zu sagen, wir genießen das, nehmen es leicht und schauen mal wie's dann weitergeht.
00:09:36: Ja, wir haben uns tatsächlich heimlich getroffen.
00:09:39: Wobei wir uns jetzt nicht großartig verstecken mussten, ich habe ungefähr eine Stunde vom Lager entfernt gewohnt.
00:09:46: Das heißt, da wo die ganzen Chefs unterwegs waren, waren wir nicht. Und es war zu der Zeit auch keine Saison, dass man sich hätte am Strand über den Weg laufen können.
00:09:56: Das heißt wir waren da noch relativ so in unserer Bubble und haben uns nicht so viele Gedanken darüber gemacht, was passiert morgen?
00:10:02: Was passiert übermorgen?
00:10:03: Was passiert in ein paar Monaten?
00:10:05: Wir haben wirklich den Moment genossen und so wirklich ernst wurde es dann erst, als es rauskam.
00:10:14:
00:10:21:
00:10:22: Sein Vorgesetzter hat es durch irgendwen mitbekommen, dass da irgendetwas ist zwischen uns beiden und er hat ja den Alessandro aufgebaut, um ihn dann mitzunehmen auf die Kanaren.
00:10:36: Und dann ist Folgendes passiert... Ich habe heute extra noch mal geguckt, wie weit es tatsächlich weit weg ist, damit ich nichts Falsches sage.
00:10:43: Er ist dann in ein Lager weiter zur Einarbeitung geschickt worden nach Bilbao, das ist im Norden Spaniens und es ist tatsächlich neunhundert Kilometer weit weg von Sevilla.
00:10:52: Und das ist eine Tagesreise im Auto.
00:10:54: Also man ist acht Stunden, acht, neun Stunden unterwegs um von Sevilla nach Bilbao oder von Bilbaos nach Sevilla zu kommen.
00:11:01: Dort wurde er erst mal hinversetzt, um dort die Einarbeitungen weiter vorzuführen
00:11:06: Weil man raus bekommen hatte
00:11:08: oder weil irgendwie mitbekommen worden ist, dass es euch beide als Paar gibt.
00:11:12: Ja, es war so nicht geplant.
00:11:14: Seine gesamte Einarbeitung war in Sevilla geplant und das war von daher ungewöhnlich.
00:11:19: Es hat aber auch keiner offen angesprochen.
00:11:24: Ist das etwas Ernstes?
00:11:25: Ich gehe davon aus, dass der Boss von ihm gehofft hat, das ist zunächst nur ein Techtelmechtel. Und als sie ihn dann aber weggeschickt haben und er in der Zeit immer mal wieder mit mir gesehen worden oder in Sevilla aufgetaucht,
00:11:43: da hat uns dann einer der Vorgesetzten mal zusammengesehen, in einem Café zufälligerweise und da wurde dann der Ton schon sehr ernst.
00:11:50: Als sie gemerkt haben, das ist was Ernstes, da steht jetzt irgendwann vielleicht auch eine Entscheidung an.
00:11:57: Das
00:11:57: heißt erstmal, ihr habt diese Versetzung mitgetragen.
00:12:01: Für euch war aber auch klar, wir sehen uns weiterhin.
00:12:04: Denn du hast ja am Anfang gesagt, naja, ich dachte, das ist auch nur eher was Leichtes und es war dann doch anders?
00:12:10: Ja, wir haben uns weiterhin gesehen, wobei ich auch an den Punkt gekommen bin, wo ich dann entmutigt war und die Beziehung vorzeitig beendet habe.
00:12:21: Alessandro war damit nicht einverstanden und hat weiterhin um unsere Beziehungen gekämpft Und wir kamen dann aber irgendwann an den Punkt, wo wir diese Fernbeziehung auch nicht mehr wollten.
00:12:32: Ja, verständlich!
00:12:32: Das ist immer eine Herausforderung.
00:12:36: Und jetzt hast du eben gesagt, der Ton wurde ernst.
00:12:41:
00:12:42: Was ist denn passiert?
00:12:44: Sein Vorgesetzter hat seine ganzen Schützlinge in der Einarbeitung besucht und ist dann auch zu ihm gefahren nach Bilbao.
00:12:55: Über uns direkt wurde nicht gesprochen, nur gefragt:
00:13:02: Wie läuft die Einarbeitung?
00:13:03: Allessandro hat dann schon gemerkt, dass das so nicht weitergeht und hat dann die Kündigung ausgesprochen.
00:13:12: Er hat die Kündigung ausgesprochen, um diese Situation quasi nicht länger tragen zu müssen?! Und sich auch für dich zu entscheiden?
00:13:21: Ja, definitiv.
00:13:22: Er hat sich zum einen für mich entschieden und ist dann auch nach Sevilla gekomme. Und zum anderen hatte er generell mit seinem Vorgesetzten nicht so eine gute Beziehung.
00:13:31: Also, er hatte nicht das Gefühl, dass er das Thema offen ansprechen kann.
00:13:35: Da hat demnach ein Vertrauensverhältnis gefehlt.
00:13:39: Wie hat es sich dann angefühlt?
00:13:40: Für dich, für deinen Partner, denn du warst weiterhin im Unternehmen.
00:13:46: Ja, für mich gab es definitiv auch so einen kleinen Bruch seitdem.
00:13:50: Ich habe es damals nicht besser gewusst.
00:13:53: Vielleicht würde ich jetzt heute auch anders handeln.
00:13:56: Ich war ja seit zehn Jahren dabei und er erst seit einem Jahr.
00:14:06: Wenn es jemand hätte ansprechen können, dann wäre ich das vielleicht eher gewesen, weil ich ja schon anderes Standing hatte auch innerhalb der Firma.
00:14:13: Ja, gewachsene Strukturen auf jeden Fall.
00:14:15: Ja, genau.
00:14:17: Also im Nachhinein war es schon heftig, weil er hat sich ja dann auch in eine Abhängigkeit begeben, denn
00:14:24: er ist zu mir ins Haus gezogen und hat dann von dort aus sich einen nach einem neuen Job gesucht. Und wir haben das immer wieder beobachtet...
00:14:33: Es gab mehrere Pärchen und später Lidl-Babies...
00:14:37: Ah!
00:14:38: Es gab sie also doch!
00:14:39: Natürlich.
00:14:46: Aber immer hat einer das Unternehmen verlassen.
00:14:50: Entweder der, der länger dabei war, ist geblieben oder der, der den höheren Posten hatte, ist geblieben.
00:14:55: Da wurde dann abgewogen. Und nachdem dann einer von beiden oder beide nicht mehr bei Lidl waren, wurde die Beziehung öffentlich gemacht.
00:15:06: Der Vorgesetzte vom Alessandro, der eine Führungsebene über uns war, fand das wahrscheinlich auch deswegen nicht schön, dass Alessandro mit mir zusammen war
00:15:19: weil er sich selbst an mir die Zähne ausgebissen hatte.
00:15:23: Er hatte auch versucht, mit mir in näheren Kontakt zu kommen.
00:15:28: Wir waren nämlich alle zusammen auf einem Meeting in Deutschland und haben dort übernachtet im Hotel. Und er hat damals versucht, mich dazu zu überreden, mit ihm noch den restlichen Abend zu verbringen.
00:15:43:
00:15:46: Es war also nicht erlaubt, dass es solche Beziehungen offiziell gibt, plus ein gebrochenes Herz und ein bisschen Konkurrenzdenken.
00:15:56: Der Mann war verheiratet.
00:16:00: Der war in festen Händen, so wie die meisten meiner spanischen Kollegen.
00:16:04:
00:16:06: Die haben trotzdem keine Gelegenheit ausgelassen, um es doch mal zu versuchen, gerade, wenn man irgendwo etwas weiter weg ist von Zuhause.
00:16:20: Das ist spannend zu hören.
00:16:24: Aber das ist so ein bisschen das Thema generell.
00:16:26: Frauen in einem Arbeitsunfeld, in Andalusien...
00:16:30: Ich habe ja auch in Barcelona eine Zeit lang gearbeitet und da war es etwas lockerer.
00:16:35: Barcelona ist schon eher queer und multikulti und Frauen sind von ihrem Ansehen her schon auf einem anderen Level, eher nordeuropäisch, könnte man sagen. Aber Andalusien war schon noch mal eher das Ländliche.
00:16:53: Wie gesagt, ich hatte nur eine Kollegin damals und alles andere waren Männer.
00:16:58: Und auf der Führungsebene eine oder zwei Stufen über uns waren auch fast alles nur Männer.
00:17:03: Von daher war es schon ein Thema generell, als Frau.
00:17:08: Daher auch die Überlegungen, gehe ich eine Beziehung mit jemandem ein, es hatte mich auch so schon viel Kraft gekostet.
00:17:14: Zehn Jahre bis ich ein Standing hatte oder einigermaßen ein Ansehen, auch als Frau... Ich wollte einfach nur als Kollegin gesehen werden.
00:17:27:
00:17:29:
00:17:35: Naja, als Fach- und Führungskraft, so würde ich es vielleicht einfach mal übersetzen. Denn du hast dir ja natürlich wahnsinnig viele Expertise angeeignet.
00:17:43: Verständlich, dass du das auch honoriert haben wolltest.
00:17:47: Honoriert nicht zwingend nur in Geld, sondern auch in Achtung.
00:17:50: Ja, auch deshalb wollte ich die Beziehung zu Allessandro anfangs geheim halten, damit ich nicht reduziert werde darauf.
00:18:09:
00:18:11:
00:18:14:
00:18:15: Und weil du gerade ansprichst, hätte sie nicht auch woanders jemanden treffen können, nun... Du hast vorhin gesagt, dass ihr in der Regel eine 60- Stunden Woche hattet und dadurch auch kein klassisches Wochenende.
00:18:26:
00:18:33: Ja, genau, deshalb haben wir sehr viel Zeit alle miteinander verbracht. Und es war ja auch schön, wir waren wie eine eingeschworene Familie.
00:18:41: Ich habe jahrelang noch darum getrauert, als ich nicht mehr bei Lidl war und die Firma verlassen hatte.
00:18:48:
00:18:53: Wir hatten eine tolle Zeit
00:18:54: Ja, das klingt
00:18:55: so.
00:18:55: Aber dieses Gefälle, was damals entstanden hat, hat uns nach vielen, vielen Jahren auch die Beziehung gekostet.
00:19:04: Okay, also ihr seid heute nicht mehr zusammen?
00:19:07: Ich bin so neugierig, deswegen würde ich dich gerne fragen,bevor wir auf dein Fazit und auch auf deinen Wunsch kommen für heute...
00:19:14: Wie ist eure Beziehung weitergegangen?
00:19:16: Oh, schöne Frage!
00:19:19: Also, es war so, dass wir dann in Sevilla gelebt haben beide.
00:19:23: Ich habe das Unternehmen ungefähr ein halbes Jahr später tatsächlich auch verlassen und wir sind dann nach Deutschland gekommen.
00:19:31: Wow, also ihr habt euch nicht nur innerhalb eines Unternehmens kennengelernt und dann beide nacheinander den Austritt gefunden, sondern ihr habt auch noch das Land miteinander gewechselt.
00:19:40: Ihr seid in deine Heimat zurückgegangen?
00:19:43: Ja. Wir waren im Urlaub in Deutschland und Allessandro hat es hier sehr gut gefallen.
00:19:48: Er hat gesagt, hier ist alles so sauber, so ordentlich und dass es viele Jobs und Möglichkeiten gibt.
00:19:57: Die deutsche Sprache ist natürlich sehr schwer zu lernen, das ist ein großer Schritt.
00:20:01:
00:20:04: Ich weiß das, mein Vater ist Grieche und war vierzig, fünfzig Jahre in Deutschland. Und der hat es nie perfekt gesprochen.
00:20:11: Ich konnte ja inzwischen Spanisch auf dem muttersprachlichen Niveau.
00:20:19:
00:20:21: Ich wusste, ich finde sofort wieder einen Job auf meinem Niveau.
00:20:25: Aber er wusste das, es war ihm sehr bewusst und hat deswegen gesagt, wir machen das jetzt, wenn ich noch jung bin.
00:20:28:
00:20:31: Er wusste, wenn er nach Deutschland kommt, muss er von null anfangen, womöglich erstmal eine körperliche Arbeit machen, bis er die Sprache so gut kann, dass er wieder eine Führungsposition erlangen kann.
00:20:44: Ja, bis er verhandlungsfähig ist zumindest.
00:20:46:
00:20:48: Eine höhere Position heißt ja häufig einfach, mehr Verantwortung, größere Etats, die zu verwalten sind und definitiv mehr Diskussionen
00:20:57: Da ist natürlich die Sprache essentiell.
00:20:59:
00:21:07: Und konntet ihr das gemeinsam tatsächlich in die Tat umsetzen, nach Deutschland zu gehen?
00:21:13: Ja, das haben wir gemacht.
00:21:14: Wir haben uns eine kleine Wohnung gekauft und er hat dann angefangen, bei Hassia zu arbeiten und ist inzwischen dort auch schon seit zehn Jahren.
00:21:26:
00:21:32:
00:21:33: Wenn du so zurückschauest, gab es
00:21:35: Momente, Verhaltensweisen, vielleicht auch Entscheidungen mit der Erfahrung von heute, die du die anders gewünscht hättest?
00:21:47: Von dir?
00:21:48: Von euch?
00:21:48: Von Kolleginnen, vom Umfeld?
00:21:51: Ja, definitiv!
00:21:52: Wenn ich jetzt zurückblicke, würde ich sagen, es ist total schade, weil ich habe zehn Jahre dort gearbeitet.
00:21:57: Lidl hat super viel für mich gemacht. Natürlich auch ich für Lidl. Ich hab dort mein duales Studium absolviert.
00:22:03: Danach haben sie mir auch noch den Master bezahlt und ich hatte einfach in den zehn Jahren sehr viel Wissen angehäuft und viele verschiedene Positionen ausgibt.
00:22:14: Und ich denke, es wäre besser gewesen, wenn wir uns alle an einen Tisch gesetzt hätten, um nach einer Lösung zu suchen. Vielleicht wär's ja eine Lösung gewesen, dass sich auch mithelfe, die Kanaren aufzubauen, mit der Erfahrung, die ich ja schon hatte, die er schon gesammelt hat... Also, dass man da ein bisschen mehr hinguckt. Gar nicht vielleicht aus Liebe zum Mitarbeiter, sondern aus wirtschaftlichen Aspekten.
00:22:37: Es hätte viel Sinn gemacht, denn auch in seine Einarbeitung wurde sehr viel investiert.
00:22:42: Flüge, Hotels, Mietwagen,.. das sind ja auch alles Kosten.
00:22:46: Allein schon deswegen hätte man versuchen sollen, eine andere Lösung zu
00:22:49: finden.
00:22:51: Ja, das kann ich gut nachvollziehen.
00:22:52: Du plädierst also für ein ehrliches Wort?
00:22:57:
00:22:59: Ja, ein offenes Miteinander.
00:23:00: Also, wirklich ehrlich miteinander umgehen und nach Lösungen suchen, nicht nur das Problem sehen.
00:23:06: Und nicht die entstandene Beziehung als Problem sehen, sondern als Gewinn.
00:23:10: Weil...Beziehungen alle Arten gab es sowieso.
00:23:14: Die gab es bei Lidl und die gibt es wahrscheinlich in jeder Firma.
00:23:17:
00:23:36: Wir waren ja noch nicht mal im selben Team.
00:23:39: Er war Team Lager, ich war Team Vertrieb und deswegen hat es überhaupt gar keinen Sinn gemacht, das komplett auseinander zu dividieren
00:23:50: Kann ich gut nachvollziehen, gerade aus deiner Perspektive, die ja mit Personalarbeit mehr als vertraut ist.
00:23:59:
00:24:06:
00:24:07: Ich würde sagen, es lohnt sich zu kämpfen für die Liebe.
00:24:10: Es lohnt sich immer, weil... Man könnte natürlich jetzt sagen, die waren acht Jahre zusammen und dann ist es doch auseinander gegangen, sie sind gescheitert.
00:24:17: Aber ich finde, nach acht Jahren Beziehung durch dick und dünn ist man nicht gescheitert, sondern hat man sich zusammen weiterentwickelt.
00:24:26: Man hat zusammen gekämpft und wir hatten ganz tolle Zeiten.
00:24:30: Also, es lohnt sich immer, für die Liebe zu kämpfen.
00:24:33: Es sollte nie ein Grund sein, weil ich jetzt mit jemandem zusammen arbeite, die Finger davon zu lassen.
00:24:38: Für eine Affäre lohnt sich das vielleicht nicht, aber wenn man wirklich das Gefühl hat, da steht der Seelenmensch vor einem und man hat so eine tolle Verbindung, dann sollte man dafür kämpfen!
00:24:50: Und auch dafür kämpfen dürfen.
00:24:51: Das
00:24:51: ist ein schöner Wunsch!
00:24:52: Ich würde vielleicht gerne noch ergänzen, weil du das eben so schön in Worte gekleidet hast, dass ihr bis heute ein Verhältnis habt, wo ihr euch zumindest begegnen könnt, was ja nun auch nicht selbstverständlich ist.
00:25:06: Ich glaube, Scheitern ist doch deutlich anders zu interpretieren.
00:25:10: Ja, und wir haben auch eine ganz tolle Tochter.
00:25:12: Das habe ich nämlich auch vergessen zu erwähnen.
00:25:14: Ich sage mal, das ist unser Lidl-Baby und sie ist jetzt elf Jahre alt und wir haben einen ganz tollen Austausch, so, dass viele getrennte Paare sogar neidisch sind.
00:25:23: Sogar Paare, die noch zusammen sind, sind manchmal neidisch darüber, wie toll wir miteinander umgehen und wie achtsam wir miteinander kommunizieren.
00:25:30: Wow!
00:25:31: Eine Beziehung, aus der heute auf jeden Fall ein Miteinander auf Augenhöhe geworden ist und das schönste, was aus Liebe erwachsen kann, nämlich ein neuer Mensch und ein ganz wundervoller, wie ich sagen darf.
00:25:44: Und eine Geschichte, die wahnsinnig viele Facetten aufweist.
00:25:51: So komme ich zu meiner letzten Frage an dich: " Gibt es etwas, was dir noch wichtig wäre zu sagen, wo du vielleicht bis hierhin noch nicht dazu gekommen bist?
00:25:59: Ich wünsche mir, dass Unternehmen das offener behandeln und nicht wie etwas, was nicht passieren darf.
00:26:08: Weil es passiert ja trotzdem!
00:26:10: Ja,
00:26:10: ich glaube, das ist ein wunderschönes Schlusswort.
00:26:13: Dankeschön an dich, dass du deine, eure sehr persönliche Geschichte mit uns geteilt hast und ich bin mir sicher, dass sich da bestimmt die eine oder der andere Hörer drin wiederfindet und ganz viel für sich ableiten kann.
00:26:25: Dankeschön!
00:26:26: Ja, danke dir, dass ich hier sein durfte.
00:26:41: Teile sie.
00:26:42: Berufsverkehr findest du überall dort, wo es Podcasts gibt.
00:26:47: Bis zur nächsten Begegnung!
00:26:49: Deine Nancy Hanisch.
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