#07 Wer uns begegnet
Shownotes
Liebe im Job bleibt selten folgenlos. Sie verändert Dynamiken, Entscheidungen und Selbstbilder.
Nach den ersten Gesprächen in "Berufsverkehr" ziehe ich ein kleines persönliches Zwischenfazit. So unterschiedlich die Geschichten meiner Gäste auch sind, eines verbindet sie alle: Liebe braucht Mut. Den Mut, sich zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen, schwierige Gespräche zu führen und sich immer wieder bewusst füreinander zu entscheiden.
Gleichzeitig ist mir noch etwas anderes bewusst geworden. Jeder Mensch, der uns begegnet, hinterlässt Spuren. Manche begleiten uns ein Leben lang, andere nur für einen Abschnitt. Doch jede Begegnung verändert uns und die Art, wie wir auf Beziehungen, Arbeit und uns selbst blicken.
Diese Folge ist eine persönliche Reflexion über die bisherigen Gespräche, über gemeinsame Wege und darüber, warum wir die Menschen, die uns begegnen, niemals als selbstverständlich ansehen sollten.
Berufsverkehr ist aus meinem Buch „Karrierefaktor Sex“ entstanden. Während ich dort psychologische und strukturelle Dynamiken im Arbeitsleben analysiere, öffnet der Podcast einen Raum für persönliche Perspektiven und reale Erfahrungen am Arbeitsplatz.
Mehr zu mir, meiner Arbeit und zum Buch „Karrierefaktor Sex“ findest du unter www.nancy-hanisch.de
Transkript anzeigen
00:00:09: Das ist Berufsverkehr.
00:00:11: Der Podcast über Liebe, Nähe und Beziehung im Arbeitsleben.
00:00:15: Echte Stimmen, echte Gefühle, echten Begegnungen.
00:00:19: Von und mit Nancy Hanisch.
00:00:33: Ich möchte heute so eine Art Zwischenfazit ziehen oder vielleicht eher einen kleinen Stopp einlegen, denn wir haben so unterschiedliche Geschichten gehört und ich glaube es lohnt sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen.
00:00:47: Was verbindet denn all diese Erfahrung miteinander und was trennt sie vielleicht auch?
00:00:51: Wo sind Momente entstanden, die nachdenklich gemacht haben?
00:00:56: Was aber auch können wir daraus lernen?
00:00:58: Und das egal in welcher Position wir gerade zuhören – ob wir selbst gerade jemanden im Job gefunden haben ja, wo es irgendwie mehr ist als nur Kollegialität oder ob wir vielleicht Führungskraft sind und nicht so richtig wissen, wie gehen wir jetzt eigentlich damit um, wenn sich im Team gerade etwas verändert, was wir irgendwie im Privaten schon schlecht ansprechen können?
00:01:22: Und wie ist es eigentlich nochmal als Kollege oder als Kollegin, wenn man nicht mehr so genau weiß,
00:01:29: wie verhalte ich mich denn jetzt eigentlich?
00:01:31: Darf ich alles noch ungefiltert sagen oder muss ich jetzt aufpassen?
00:01:37: Verliere ich vielleicht meinen Platz, dass ich nicht nur jemand bin, mit dem gerne gearbeitet wird, sonder,n wo auch eine Freundschaft entstanden ist?Und bin ich da jetzt vielleicht irgendwie in der Konkurrenz?
00:01:49: Und so möchte ich noch einmal überschauen, nun, wen haben wir eigentlich alles schon hören dürfen?
00:01:55: Wir hatten Claudia und Sandro, die mit ihrer ganz besonderen Geschichte gleich mehrere Punkte vereinen Die vor allen Dingen aber zeigen, dass sich der Mut lohnt.
00:02:08: Mut auch gegen Widerstände. Vielleicht auch gegen, ja, sehr klare Worte, die aus dem direkten Umfeld, von der eigenen Familie stammen.
00:02:22: Zu prüfen, was kann denn nun eigentlich aus diesen Gefühlen werden? Und sie sind ein so schönes Beispiel dafür, dass Mut ganz oft belohnt wird. Dass eine Verbindung auch genau dadurch stark werden kann, dass sie eben vielleicht am Anfang noch nicht so deutlich vor uns lag und wir nicht genau wussten, as wird denn eigentlich daraus?
00:02:47: Sie verbinden neben der Tatsache, dass sie ursprünglich mal Chef und Angestellte waren, auch einen Altersunterschied miteinander.
00:02:57: Ich glaube, allein dieser Altersunterschied, der sorgt ja schon in ganz vielen Köpfchen dafür, dass zumindest genau darüber nachgedacht wird.
00:03:06: Macht man das, macht man es nicht?!
00:03:08: Und Claudia und Sandro sind in einer eher typischen Variante verbunden, das heißt, hier ist der Mann deutlich älter.
00:03:17: Und nun können wir aber, wenn wir um uns rumschauen, tatsächlich aktuell so einen Trend ausmachen, dass sich das umkehrt. Also, dass die Frau einen deutlich älteren Abstand zum dann jüngeren Mann oder zur jüngeren Partnerin hat und da erlebe ich zumindest, dass es noch sehr viel ungewohnter ist und lustigerweise dann tatsächlich gerne so Sätze gesagt werden wie: "Naja, also, dass der Mann deutlich älter ist, das sieht man ja schon oft.
00:03:46: Aber als Frau, ich weiß ja nicht!
00:03:48: Ist es nicht komisch?"
00:03:50: Und ich frag mich an dieser Stelle immer ,wie kommt's denn, dass wir den gleichen Sachverhalt komplett anders betrachten wenn sich auch noch die Geschlechter tauschen?!
00:04:01: Was ist denn bitte der Grund dafür, dass ich als Frau nun auch noch anders angeschaut werde, wenn ich die Ältere in einer Beziehung bin und vielleicht – und das wäre jetzt sozusagen die maximale Umkehr davon – auch noch positionshöher... Warum kämpfe ich dann mit noch viel, viel mehr Vorurteilen?
00:04:17: Mit noch viel mehr Abwertung vielleicht auch,
00:04:21: Spekulationen, Gerüchten, Gerede, als wir es schon erleben, wenn es nun in eher klassischer Geschlechterfunktion passiert?!
00:04:32: So möchte ich es vielleicht mal formulieren... Das sind so Fragen die mich gerade aktuell sehr beschäftigen.
00:04:37: Und ja, wenn ich so über die Folge mit Claudia und Sandro nachdenke, dann sind es eben Gedanken, die ich ganz gerne auch einfach hier mal mit dir teile und vielleicht beschäftigen sie auch dich.
00:04:45: Und nun, dann lass uns doch gerne einfach im Nachgang ein bisschen darüber in den Dialog gehen.
00:04:52: Dann haben wir Julian gehört. Julian, der uns mitten seine ganz besondere Welt genommen hat, die ihn sehr lange beschäftigt hat.
00:05:01: Nämlich in die Zeit der Bundeswehr, der Marine und damit eben auch aufs Schiff.
00:05:07: Und hier hatte er natürlich wahnsinnig oft als Kollege, als Freund, auch als Vertrauensperson erlebt, dass sich natürlich auf engem Raum zwangsläufig auch Gefühle ergeben, die vorher so gar nicht geplant waren.
00:05:23: Und dann kann man in der Situation viel weniger ausweichen.
00:05:26: Denn die Besonderheit hier, die durften wir ja hören ist... Du kannst nicht runter von so einem Schiff!
00:05:32: Also, du bist da und du bist ihm einfach ausgesetzt.
00:05:35: Dann müssen wir halt einfach prüfen, was ist es denn eigentlich?
00:05:39: Wie geht man denn dann miteinander um?
00:05:43: Wie schaut man jemandem morgens ins Gesicht, wenn man vielleicht nachts -auch durch diese Hellhörigkeit, vor allen Dingen der Räume- eben viel mehr geteilt hat, als man sich vielleicht so normalerweise ausgesucht hätte.
00:05:58: Und ich fand es ganz schön, denn das, was mir hier vor allen Dingen im Kopf geblieben ist, ist diese Klarheit, mit der Julian gesprochen hat. Zu sagen: "Schau, umso eher du bei dir bist, Verantwortung für das übernimmst ,dass dein Handeln auch morgen noch in Ordnung ist und du damit vor allen Dingen niemandem schadest, dann kannst du auch in Situationen, die vielleicht eine Erklärung bedürfen, sehr dazu stehen."
00:06:28: Und das mochte ich und glaube, es ist etwas, was wir grundsätzlich in der Liebe brauchen. Also, das "Gut bei mir sein" und vor allen Dingen auch "Gut auf mich aufpassen".
00:06:40: Ich glaube, umso besser uns das gelingt, umso eher gelingt es uns auch im Kontakt mit anderen. In der Sorge, in der Achtung mit den Menschen, die uns umgeben, wenn wir für uns selber anerkennen: Hey, ja, ich habe Ecken und Kanten.
00:06:56: Und ich mache nun einfach auch immer mal wieder Dinge, naja, die hab' ich vorher vielleicht so auch nicht geplant.
00:07:02: Wenn dieses Verständnis bleibt, dann glaube ich, passieren auch sehr viele Dialoge sehr viel leichter und doch tatsächlich auch sehr viel echter, sodass gar nicht so eine große Furcht davor da sein muss,
00:07:15: was wird es vielleicht aus uns machen?
00:07:18: Das mochte ich unheimlich!
00:07:19: Und so gebe ich diesen Gedanken auch heute dir nochmal mit.
00:07:24: Und dann habe ich mit Oliver gesprochen, der selbst in einer Rolle war, wo er als Führungskraft agieren musste.
00:07:34: Auch Oliver hat gesagt: "Du schau, umso länger wir Situationen, die unklar sind, mit uns rumtragen, umso größer werden sie.
00:07:42: Wenn Sie viel Platz haben, um gefüttert zu werden von Gerüchten von Spekulation. Dann ist das manchmal gar nicht mehr so einfach möglich, sie auch irgendwie wieder einzufangen oder einen neuen Zaun zu stecken.
00:07:53: So möchte ich es vielleicht mal als Bild formulieren.
00:07:56: Und diese Haltung, das ist eine, die ich mir für so viele Teams wünsche.
00:08:04: Dass eine Person leitet, die auch wirklich verinnerlicht hat: nun, was ist denn eigentlich Leitung?
00:08:13: Das heißt doch gar nicht, sich über die anderen zu stellen oder alles besser zu wissen oder Verbote auszusprechen. Sondern das heißt doch viel, viel eher: Hey!
00:08:23: Gerade, wenn wir nicht so richtig wissen, in welche Richtung geht es denn,
00:08:26: frag mich und wir setzen uns zusammen
00:08:28: und wir gucken, welche Idee können wir gemeinsam tragen!
00:08:34: Das ist für mich ein wahnsinnig schöner Gedanke, der in meiner Welt doch bitte überall hingehört, wo Menschen miteinander arbeiten.
00:08:45: Denn ich glaube, für Führungskräfte ist auch immer mal wieder die Erinnerungen notwendig:
00:08:51: Ich darf nur führen, weil dort Menschen sind, die sich führen lassen können und dürfen.
00:08:59: Und nicht, weil mich irgendjemand einfach in diese Position gehoben hat. Sondern es braucht Menschen, die da sind und die sich "Team" nennen und die eben auch geleitet werden wollen.
00:09:09: ich glaube, neben dem Können, dem Dürfen, steckt schon auch einen Wollen hierhi. Und umso öfter einfach klar ist, dass wir am Ende einfach alle Menschen sind,
00:09:19: umso leichter können wir uns auch begegnen, gerade, wenn Scham und Unsicherheit eine Rolle spielen.
00:09:24: Und ja, nun, wenn es um Gefühle geht ,dann sind die halt einfach oft im Raum!
00:09:29: Und auch hier braucht es vor allen Dingen Ehrlichkeit. Und um an die Ehrlichkeiten anzuknüpfen: hier hat mich Frank unheimlich beeindruckt.
00:09:42: Frank hat uns mitgenommen in eine Welt, die wahnsinnig geprägt war von Anstrengung, aber natürlich auch von Kampf, von Anziehungen, von Verbindung.
00:09:57: Wenn auch mit sehr viel Herausforderung, so hat zumindest diese Liebe, die zwischen ihm und seiner heute Ex-Frau lag, dazu geführt, dass sie wahnsinnig lange doch einfach auch sehr erfolgreich gewesen sind.
00:10:11: Mit ihren Praxen und all dem, was da kam und ich mochte, dass er uns schonungslos erzählt hat, wie viele Struggles auch da waren. Noch mehr aber hat mich beeindruckt, dass er so ehrlich zurückgeschaut und gesagt hat: "Ich hätte natürlich mit all dem, was ich heute weiß,
00:10:33: mit meiner heutigen Sicht auf Dinge, mit meiner heutigen Entwicklung, vielleicht auch mit der Reife, die wir uns erst im Laufe des Lebens aneignen, Entscheidungen anders getroffen. Aber da, wo wir waren und mit dem, was wir wussten zu dieser Zeit, da konnten wir es einfach nicht besser.
00:10:50: Und ich habe das so geschätzt, dass da kein Groll ist, sondern eher vielleicht auch so ein ganz zaghaftes Bedauern und immer noch die Einladung: "Lass uns doch heute nochmal begegnen.
00:11:03: Vielleicht schaffen wir es zumindest, uns als Menschen neu zu
00:11:08: finden.".
00:11:09: Das war ein großes Geschenk!
00:11:14: Und bis heute ein Geschenk füreinander?
00:11:17: Nun, das sind Andreas und Petra, die sich tatsächlich seit ihrer Jugend kennen und damit eine Geschichte verkörpern, auf eine so zauberhafte Weise, auch angelehnt an Filme und vielleicht auch an viele Geschichten, die sich viele insgeheim wünschen, dass da irgendwo ein Mensch ist, der uns unser ganzes Leben begleitet.
00:11:39: Und das ganz besondere an Andreas und Petra ist, dass sie sich, eben weil sie sich schon in der Jugend kennengelernt haben, wirklich durch alle großen Entwicklungsphasen begleitete haben. Beruflich, menschlich und emotional, also von der Jugend über die Frage "wer will ich eigentlich sein, wie will ich mich überhaupt als Mensch festigen, wie möchte ich meine Werte tragen,
00:12:04: wie möchte ich mich
00:12:05: verbinden? über
00:12:06: dieses traditionsreiche Familienunternehmen im Hintergrund mit neuen Fragen:
00:12:10: übernehme ich das,
00:12:13: schaffen wir das
00:12:15: und wenn wir es übernehmen, wie prägen wir es denn mit unserem Stil, mit dem was wir eigentlich sind?
00:12:21: Und nun wie schaffen wir es, Paar zu bleiben?
00:12:24: Gleichzeitig erwachsen zu werden, uns immer weiterzuentwickeln und eine Familie zu gründen.
00:12:31: Und das hat mich so oft einfach nochmal daran denken lassen, wie ich sie erlebt habe, wie automatisch, wie selbstverständlich Abläufe sind, ohne, dass man über den anderen hinweg schaut, ohne, dass sie selbstverständlich füreinander sind.
00:12:47: Das, finde ich, ist nei wahnsinnig große Kunst in einer Beziehung, gerade, wenn sie so lange dauert. Dass wir eine Begegnung erleben zwischen Menschen, die zwar geprägt ist von jahrelangem Vertrauen, die deshalb aber trotzdem die Besonderheit nicht vergisst.
00:13:06: Und das ist, was ich dir gerne mitgeben möchte in dieser Folge.
00:13:12: Egal, wem du begegnest und egal wie lange eure Begegnung dauert – nun ja!
00:13:17: Gerade, wenn es am Arbeitsplatz ist.
00:13:19: Schätze diese Besonderkeit, die diese Verbindung ausmacht... ...die diese Begegnung macht, denn diese Begegnungen sind ganz einmalig.
00:13:30: Liebe im Raum ist Anziehung.
00:13:33: Vielleicht auch ein bisschen Eifersucht und wenn wir nicht so richtig wissen, oh Gott was machen wir jetzt?
00:13:39: Nun, Liebe braucht immer Mut!
00:13:41: Mut, sich zu zeigen. Mut, zu dem zu stehen, was da gerade einfach da ist an Gefühlen. Denn hey, Gefühle machen uns doch nicht schlechter. Sie machen uns einfach nur so viel lebendiger.
00:13:53: Und Lebendigkeit ist das, was uns wirklich spüren lässt.
00:13:57: Und deshalb, bitte, bewahre dir genau diesen Zauber, diesen Glanz, deine Lebendigkeit und schätze sie.
00:14:06: Schätze dich dafür, dass du all das überhaupt fühlen darfst. Und bitte schäm dich nicht dafür!
00:14:11: Dass du unsicher bist,
00:14:12: okay, das darfst du sagen und das darfst du auch fühlen.
00:14:15: Und dann aber geh den Weg, den du gehen möchtest, versuch es.
00:14:19: Denn weißt du?
00:14:21: So viele Menschen schauen zurück und fragen, was wäre gewesen, wenn….
00:14:26: Was wäre gewesen, wenn ich's versucht hätte?
00:14:27: Und ich wünsche dir, dass das eine Frage weniger ist, auf die du mal zurückschaust.
00:14:33: Und in diesem Sinne freue ich mich aufs nächste Hören!
00:14:50: Danke fürs Zuhören.
00:14:52: Wenn dich diese Folge berührt hat, teile sie.
00:14:56: "Berufsverkehr" findest Du überall dort, wo es Podcasts gibt.
00:15:00: Bis zus nächsten Begegnung. Deine Nancy Hanisch.
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