#06 Was verloren geht
Shownotes
Liebe im Job bleibt selten folgenlos. Sie verändert Dynamiken, Entscheidungen und Selbstbilder.
In dieser Episode erzählt Frank von einer Beziehung, die bereits im Studium begann und ihn über 32 Jahre begleitet hat. Aus einer jungen Liebe wurden gemeinsame Lebens- und Arbeitswelten mit vielen Stationen: ein gemeinsamer Auslandsaufenthalt, eine Wochenendbeziehung, eigene Praxen, Unterbrechungen und immer wieder neue Herausforderungen zwischen Beruf und Beziehung.
Dabei geht es nicht nur um das, was zwei Menschen miteinander aufbauen, sondern auch um die Veränderungen, die über Jahre hinweg oft unbemerkt entstehen. Frank spricht offen über Nähe, Verantwortung, gemeinsame Entscheidungen und über eine Trennung, die vielleicht hätte vermieden werden können.
Es geht um Alltag, Dynamiken und die Frage, wie Beziehungen sich verändern, wenn Arbeit und Leben immer stärker miteinander verwoben sind. Woran merkt man eigentlich, dass etwas verloren geht und warum wird das oft erst im Rückblick sichtbar?
Berufsverkehr ist aus meinem Buch „Karrierefaktor Sex“ entstanden. Während ich dort psychologische und strukturelle Dynamiken im Arbeitsleben analysiere, öffnet der Podcast einen Raum für persönliche Perspektiven und reale Erfahrungen am Arbeitsplatz.
Mehr zu Frank und seiner Arbeit findest du unter dr-frankessers.de
Mehr zu mir, meiner Arbeit und zum Buch „Karrierefaktor Sex“ findest du unter www.nancy-hanisch.de
Transkript anzeigen
00:00:09: Das ist Berufsverkehr.
00:00:11: Der Podcast über Liebe, Nähe und Beziehung im Arbeitsleben.
00:00:15: Echte Stimmen, echte Gefühle, echten Begegnungen.
00:00:19: Von und mit Nancy Hanisch.
00:00:31: Schön, dass du da bist!
00:00:32: Sag uns: wer bist du?
00:00:34: Und wie war deine berufliche Situation, bevor es zwischen euch beruflich und privat spannend wurde?
00:00:42: Ja, das gibt's eigentlich mindestens mal zwei Situationen, die mir einfallen. Also, ich weiß nicht, welche dich interessieren.
00:00:50: Also, einmal in der Ausbildung und einmal im Studium.
00:00:55: Ja nun!
00:00:55: Also, ich glaube, es ist erstmal wichtig zu erfahren: wer du eigentlich bist?
00:00:58: Ich
00:00:58: bin Frank Esser, ich bin Orthopäde.
00:01:01: Von der Ausbildung, von der ich spreche, war eine Bankausbildung nach der Schule.
00:01:06: Also, erst noch mal nicht klar wesen was ich so machen will und Medizin kam dann später wieder ins Geschäft.
00:01:11: Und das Zweite ist im Medizinstudio gewesen Aus dem dann auch meine langjährige Partnerschaft und Ehe und jetzt Ex-Ehe sich herausgebildet hat.
00:01:21: Ja,
00:01:22: dann wähle ich ganz spontan die Liebelei Ehe und Ex-Ehe, denn ich glaube, das ist doch ein deutlich längerer Zeitraum.
00:01:30: Ziemlich lange, ja!
00:01:31: Wenn
00:01:31: ich das mal so kurz überrage... Nun, was ist zwischen euch geschehen?
00:01:39: Wann war es mehr als nur berufliche Kollegialität?
00:01:42: Ganz kurz
00:01:42: zusammengefasst haben wir uns im Studium kennengelernt.
00:01:44: Wir haben uns lieben gelernt, wir haben auch zwischendurch mal wieder eine Pause gehabt.
00:01:48: Wir sind zusammengezogen und haben irgendwann geheiratet und haben noch zusammen gearbeitet.
00:01:54: Und wieder nicht zusammengearbeitet, dann haben wir uns geschieden.
00:01:56:
00:01:58: Also viele berufliche, nicht berufliche und private, wechselnde Situationen.
00:02:03: Wobei diese kurzen Nichts-Situationen eher kürzer waren.
00:02:06:
00:02:07: Ich habe die Ute halt gesehen bei ihren Aktivitäten politisch, die war in der Fachschaft... ...und hab gesagt, oh, dich könnte ich ja mal kennenlernen.
00:02:17: Das war dann Zufall auf Altweiber... da kam ich völlig verschwitzt von der Tanzfläche Und dann sprach sie mich an.
00:02:28: Oh, schwitzt du immer so?
00:02:29: Ich meinte: wenn ich tanze, schon.
00:02:31: Aber ich kenne deinen Namen!
00:02:35: Du kennst meinen Namen? Ja, von der Fachschaft da.
00:02:37: Und dann bin ich zu Theke gegangen und wir haben uns auch nicht wieder gesehen über die ganzen Semesterferien, die dann hier kamen.
00:02:41: Und dann sind wir zufällig, wie das Leben so spielt, wobei man ja immer so schön sagt: Zufälle gibt es nicht.
00:02:45: Da haben wir uns dann beim Psychokurs nach den Semesterfern im Sommersemester wieder getroffen und gedacht,
00:02:52: wir können jetzt zusammen auch zusätzlich eine Zweierarbeit machen, wo Klienten mitbetreut werden sollten und dann auch ein Referat darüber schreiben sollten.
00:03:03: Und über diese Referatsarbeit, wo wir uns mehrfach getroffen haben, den Patienten interviewt haben, sind wir uns quasi näher gekommen.
00:03:12: Jetzt klingt es ja erstmal nach einer Verbindung,
00:03:14: die in diesem Umfeld relativ normal ist.
00:03:21: War das so?
00:03:22: Ja. Ja, also, in der Zeit, wo ich sie kennengelernt habe, habe ich die Beziehung, mit der mit der ich viereinhalb oder fünf Jahre fast zusammen war aus der Banklehre heraus, beendet.
00:03:34: Da war keine Lücke dazwischen großartig, sondern das war so fließender Übergang.
00:03:39: Weiß ich jetzt nicht, ob das normal ist und was unnormal ist.
00:03:45: Das hat sich ja entwickelt über zwei bis drei Monate.
00:03:47: Diese
00:03:47: Entwicklung ging noch ein paar Jahre weiter.
00:03:49: Magst du uns ein bisschen mitnehmen auf eure Reise?
00:03:52: Wenn wir einen Einblick haben, wer ward ihr als Paar?
00:03:55: Ja, gut, dann bin ich direkt, das war schon geplant, zur Doktorarbeit in die USA gefahren Und sie hat eine Famulatur gemacht in Philadelphia.
00:04:03: Ich war in Rochester, Minnesota und hab dann ihr... weiß ich, wir waren vielleicht zwei Wochen zusammen oder sowas in der Richtung?
00:04:11: Dann habe ich ihr in der Mayo-Klinik auch eine Famulatur besorgt, weil ich sie einfach immer in meiner Nähe haben wollte.
00:04:17: Und dann hat sie ihre schon geplante Famulatur in Philadelphia gecancelt oder umgeändert,
00:04:23: ich weiß noch gar nicht mehr genau, damit sie eben da mit uns zusammen war.
00:04:26: Mit mir zusammen war, vor Ort und dass die Trennung nicht so lang war.
00:04:30: Sie kam im Wochenende zwar vorher auch schon mal, weil sie einen Flugticket hatte.
00:04:33: So ein All-Flugticket, wo sie quasi Standby immer fliegen konnte.
00:04:37: Aber ich fand die Idee mit den gemeinsamen Famulaturen eigentlich ganz interessant, weil sie danach noch länger da geblieben ist.
00:04:43: Die ist ja nur einen Monat da gewesen und ich war noch zweieinhalb Monate länger da, weil die Doktorarbeit fast vier Monate gedauert hat.
00:04:52: Dann hat sich das Ganze eben letztendlich entwickelt über das Reststudium hinweg.
00:04:58: Wir sind im letzten Jahr auch zusammengezogen.
00:05:05: Im IP, also nach dem PJ, trennen sich meistens die Wege.
00:05:13: Nicht, weil man das will, sondern eher, weil die Stellen das so vorgeben. Damals hat man im Prinzip sechzig, siebzig Bewerbungen geschrieben für eine AIP-Stelle und dann musste man dahin gehen.
00:05:26:
00:05:31:
00:05:32:
00:05:34:
00:05:36: AIP ist Arzt im Praktikum, da ist man sozusagen noch nicht ganz Arzt.
00:05:40: Sondern auch so unter den Fittichen der Fachärzte und der ausgelernten Ärzte und kriegt auch weniger Geld.
00:05:47: Das macht man achtzehn Monate.
00:05:49: Ich war dann halt in Hamburg und sie war in Bad Oeynhausen.
00:05:52: Da war das eine Wochenendbeziehung.
00:05:55: Das hat mir von Anfang an nicht gut geschmeckt..
00:06:01: Weil ich die Wochenendbeziehung nämlich von meinen Eltern kenne, wo ich immer den Eindruck hatte,
00:06:07: dass eine Wochenendbeziehung eher belastend als befruchtend ist.
00:06:11: Und kam es dann da auch zu Krisen zwischen
00:06:13: euch?
00:06:14: Eigentlich immer dann, wenn's darum ging wer wann wohin fuhr am Wochenende.
00:06:20: Weil ich war in Hamburg und Hamburg ist spannend. Und ich wollte Hamburg kennenlernen und das ist natürlich am Wochenenden einfacher als unter der Woche, wenn man arbeitet, logischerweise und wollte sie mit dabei haben.
00:06:34: Sie wollte mich dann aber mindestens zu fünfzig Prozent auch in Bad Oeynhausen haben, was ich einfach langweilig fand, im Vergleich zumindest und plus meine Dissonanz mit dem Thema Wochenendbeziehung..
00:06:53: Dann habe ich irgendwann gesagt, das geht so nicht.
00:06:54: Ich kann mich nicht zerreißen zwischen diesen beiden Orten und unter Druck setzen und dann waren wir auch ein Jahr nicht zusammen.
00:07:01: Okay
00:07:01: also dann habt ihr euch tatsächlich das erste Mal getrennt?
00:07:03: Und nun hast du uns eingangs schon verraten... naja unsere Liebe ging noch in eine nächste Auflage. Also seid ihr wieder zusammengekommen?
00:07:12: Genau!
00:07:12: Irgendwann nach circa einem Jahr sind wir auf ein Hochzeit eingeladen worden und da haben wir festgestellt, dass wir irgendwie ja in dem Jahr einsam waren und haben wir wieder mehr miteinander gemacht, weil ich da wieder in Düsseldorf war.
00:07:27: Und sie auch in Düsseldorf bei ihrer Freundin, bei ihrer besten.
00:07:30: Und dann haben wir uns dann mehrfach gesehen auf verschiedenen Festivitäten.
00:07:34:
00:07:40: Nach einem Jahr Trennung sind wir dann wieder zusammengekommen.
00:07:44: Dann sind wir zusammen geblieben bis zur Trennung vor jetzt vier Jahren Also, zwanzig Jahre sogar.
00:07:54: Wahnsinnig langer Zeitraum!
00:07:55: Deswegen springe ich mit dir so ein bisschen über die Etappen
00:07:58: hinweg.
00:07:58: Ja, wir haben uns kennengelernt 1994, das sind also letztendlich 32 Jahre bis jetzt und davon 20 auch zusammen verheiratet.
00:08:08: Also schon recht viel Zeit gemeinsam.
00:08:13: Ja, ein Jahr dazwischen und eben jetzt die vier Jahre getrennt.
00:08:17: Und trotzdem nicht ganz getrennt, zumindest nicht auf dem Papier.
00:08:20: Das ist so die schnellste Zusammenfassung.
00:08:25: Jetzt seid ihr beide Ärzte.
00:08:27: Habt ihr beruflich auch zusammengewirkt?
00:08:30: Ja, nachdem wir wieder zusammen waren, war ich noch in Solingen in der Unfallchirurgie und dann hatte ich mich aber schon beworben in Bad Oeynhausen in der Orthopädie und hab die Stelle dann auch dort bekommen.
00:08:39: Und dann waren wir quasi wieder zusammen.
00:08:40: Wir sind wieder zusammengezogen und .
00:08:42: haben dann geheiratet. Und in meiner Facharztausbildung habe ich gemerkt, dass ich mich selbstständig machen möchte in eigener Praxis und bin dann über meine Oberarzttätigkeit zu einem Partner gekommen, bei dem ich sehr viel gelernt habe.
00:08:57: Aber das hat menschlich nicht geklappt.
00:08:59: Wie so oft in Partnerschaften und auch bei Ärzten, das ist dann relativ schnell auseinander gegangen. Ich musste mich umorientieren und überlegen, wie mache ich denn eigentlich weiter, wenn ich da weg muss?
00:09:10: Und ich hatte sie aus ihrer Oberarzttätigkeit mit in die Privatpraxis geholt,
00:09:17: aus der sie dann auch raus musste, weil das zu dritt dann gar nicht geklappt hat.
00:09:20: Drei Alphatiere an einem Flecken, das ging dann gar nicht.
00:09:25: Dann stand die Planung an:
00:09:26: Was machen wir?
00:09:27: Wenn ja, wie und wo?
00:09:29: Und dann sind wir recht schnell auf die Idee gekommen, wir machen zusammen eine Privatpraxis auf.
00:09:33: Sie hatte schon eine und ich wollte eben auch eine aufmachen.
00:09:36: Wir bleiben in Bad Oeynhausen und schauen da möglichst nach einer Immobilie, zum Mieten oder eben auch zum Kaufen.
00:09:42:
00:09:47: Ich habe eine Praxisimmobilie gekauft, in der wir in einer Etage zusammen zwei Privatpraxen geführt haben mit demselben Personal.
00:09:57: Und so waren wir dann, was wir vorher nie waren, beruflich und privat hundertprozent
00:10:05: verbunden und gebunden und da vermischt sich dann Beruf und Verkehr miteinander.
00:10:17: Das war sicherlich nicht die günstigste Idee, rückblickend, auf immer enger werdendem Raum zusammen zu arbeiten.
00:10:27: Wie hat sich das ausgewirkt auf euch privat?
00:10:30: Wenn du so den Verlauf betrachtest, rückblickend, was für Dinge hättet ihr anders machen können?
00:10:36: Ich glaube, dass wir unterschiedliche Auffassungen hatten, wie man somit mit Mitarbeitern umgeht. Und dieses ganze Thema um Mitarbeiter herum, Mitarbeitersuche und Mitarbeitereinstellung
00:10:49: und auch Entlassung oder mit Kündigungen umzugehen.
00:10:53: Das war einfach so ein Thema, was ständig präsent war. und ständig auch ein Konfliktthema war, auch innerhalb der Praxis, weil wir beide mit demselben Personal gearbeitet haben.
00:11:05: Und das lässt sich ja von zu Hause nicht so richtig trennen.
00:11:09: Zumindest mal die schlechte Laune lässt sich nicht trennen!
00:11:15: Das war auf beiden Seiten nicht zuträglich.
00:11:17: Wir hatten im Prinzip immer den Beruf mit im Privaten, da ist nie das Private mal wirklich nur rein privat geblieben, weil immer irgendwelche Problemdinge zu klären waren, die eben im Berufsalltag nicht richtig Platz gefunden haben.
00:11:38: Und das war nicht so so richtig gut.
00:11:41: Oder zumindest haben wir nicht den Weg gefunden, das das zu trennen und zu fragen, liegen die Probleme in Beidem oder nur im Privaten
00:11:48: der bedingen sie sich sogar gegenseitig ungünstig?
00:11:50: Und dann haben wir uns später, weil sie in ihrer Praxis weiter gewachsen ist und wir einfach zu eng wurden, getrennt innerhalb des Hauses, was privat und beruflich zwar komplett getrennt hat, aber das Private auch nicht verbessert hat.
00:12:06: Das heißt, das Problem kann man jetzt nicht nur auf den Beruf schieben.
00:12:10: Das ist so manchmal zu einfach, glaube ich, zu sagen, ja, Berufsprobleme, dann arbeiten wir nicht mehr zusammen und gleich ist das Private wieder besser.
00:12:18:
00:12:18: Für uns hat das nicht gestimmt.
00:12:23: Ich glaube, das ist ja eine ganz spannende Schlussfolgerung, die du jetzt ziehst.
00:12:27: Zu sagen, naja, wir haben schon vielleicht auch damit gerechnet, wenn mir das weiter auseinanderziehen, dann entlastet es das Private. Und jetzt sagst du, so ist es dann aber gar nicht gewesen.
00:12:36: Wann war denn der Moment, als ihr für euch auch entschieden habt,
00:12:40: so geht es jetzt gar nicht mehr weiter.
00:12:42:
00:12:42: An sich aus Situationen, die entstanden sind und uns die Entscheidung quasi in die Schuhe geworfen haben, so ungefähr.
00:12:51: Da war irgendwann der Punkt, dass sie sagte, Mensch, kann ich den Raum benutzen, wenn du oben bist? Und dann kam mich in meine Räumlichkeiten zurück und habe gemerkt, dass meine berufliche Privatsphäre, also mein Arbeitszimmer, auch noch mitgenutzt wurde und dann gar nicht mehr mein eigenes war.
00:13:11: Ich wurde unbewusst aus dem logischen Praxisalltag herausgedrängt, obwohl ich mehr oder weniger alleine gegründet habe und auch dann die ganzen Umbauten begleitet habe.
00:13:25:
00:13:28: Da hab ich gesagt, komm das geht so doch nicht!
00:13:30: Sie braucht wirklich mehr Platz und ich brauche oben kein zweite Praxis, dann da kann ich komplett nach oben ziehen, das reicht für mich allemal aus.
00:13:43: Da hatte ich aber nicht mehr eine Privatpraxis und eine Kassenpraxis in zwei Räumlichkeiten im Gebäude oder Praxen in einer Stadt räumlich getrennt, sondern wirklich dann zusammen, wie eine normale Praxis.
00:13:55: Da ich aber das weiter getrennt haben wollte, war das schwer zu kommunizieren.
00:14:11: Uns beruflich zu trennen war durchaus nicht verkehrt.
00:14:16: Wahrscheinlich hätten wir das schon viel eher machen müssen Aber entweder war das zu spät, als dass das Private sich da noch wieder hätte erholen können oder es ist nicht alleine voneinander beeinflusst gewesen.
00:14:34: So glaube ich das auch letztendlich.
00:14:35: Der Beruf hat Vieles verschlechtert. Problematiken, die schon schwer anzusprechen waren, haben das Private einfach übertüncht. Wenn schon das Berufliche schwer zu regeln ist und man es gerade so hinbekommt, dann ist für privat noch weniger Platz.
00:15:00: Das ist das große Problem gewesen.
00:15:03: Wenn man mit Beruf und Privat so eng zusammen ist, muss man noch engere,
00:15:11: klarere Strukturen haben und bestimmte Zeiten.
00:15:16: Das
00:15:16: kann ich nachvollziehen.
00:15:18: Ihr habt ja wahnsinnig viel auch erreicht zusammen.
00:15:22: Dann ist es immer die Frage: was hat sich wofür gelohnt?
00:15:32: Und was ist vielleicht auch dafür hinten übergefallen?
00:15:34: Denn natürlich sind Dinge, über die wir wenig gut sprechen können, wo Worte fehlen, dann immer noch ein bisschen komprimierter.
00:15:45: Wenn du heute so zurück schaust, was hättest du dir gewünscht von dir selber?
00:15:51: Von eurem Umfeld?
00:15:52: Denn du sagst, manchmal haben es ja auch Patienten oder Mitarbeiter mitbekommen, wenn das zwischen uns angespannt war und auch enge Vertraute um euch herum.
00:16:03: Geld und Geldfragen, wenn die emotionalisiert werden, dann ist es schwierig, noch objektiv zu reden.
00:16:09: Und es bringt gleich wieder was in die Beziehung rein. Für mich ist Geld einfach nur Zahlen... Auch wenn Zahlen mal nicht so richtig klappen und wenn's da Schwierigkeiten gibt, dann sind das trotzdem immer noch Zahlen!
00:16:19: Dann ist das im Prinzip besser zu bearbeiten, wenn man's einfach aufschreibt und sich ganz nüchtern nur diese Zahlen anguckt.
00:16:24: Wenn man das aber emotionalisiert, Erfolg, Misserfolg mit reinbringt und Enttäuschung endlich,Schuld, Nicht-Schuld... dann kann man diese Zahlen sich nicht mehr vernünftig angucken.
00:16:38: Wenn man das vermischt, also sozusagen die Zahlen zum Privaten macht und das Private in die Zahlen reinbringt, dann ist es so ein Cooldown.
00:16:48: Gerade Geld und Liebe sind ja so zwei Dinge.
00:16:51: nun... Die verflechten sich manchmal sehr ungünstig miteinander.
00:16:55: Also ganz häufig, wenn die Liebe im Zweifel steht, dann kommt Geld als Sicherheit, manchmal aber auch ein bisschen als Faktor mit rein, der einander hält.
00:17:07: Und ja, wie du schon sagst, eigentlich sind das zwei Ebenen: die eine ist im Kopf und die andere im Bauch und es passiert ganz oft.
00:17:14: Also damit zumindest ward ihr oder seid ihr in bester Gesellschaft.
00:17:20: Einfach drüber sprechen, erstmal getrennt sprechen aus einem geschäftlichen Kontext und geschäftlich zahlenmäßig trennen.
00:17:33: Und das Private rauslassen.
00:17:44: Ich bin überzeugt davon, das kann man schon trennen, wenn man das will und wenn wir das wirklich planen vielleicht sogar mit Hilfe.
00:17:50: Aber wenn man es laufen lässt, dann ist das so ein Durcheinander, dass man hinterher wahrscheinlich privat und geschäftlich gar nicht mehr einfach trennen kann.
00:17:57: Hast du gezielt eine Situation oder vielleicht auch ein Erlebnis, was du teilen möchtest?
00:18:13: Es sind so viele, so viele Situationen.
00:18:15: Wenn man in einer Diskussion die Ebene vom Objektiven zur Vorwurfsebene oder in die Schuldebene wechselt, das ist oft vorgekommen... Und wenn man da aus dieser Zwickmühle nicht raus kommt und dann private Vorwürfe mit den geschäftlichen Themen vermischt.
00:18:32: Natürlich, man kann ja nun nicht den Schalter einfach umlegen, wenn man eine schlechte Laune von der Arbeit hat...Dann bringen wir das immer wieder ins Privatleben.
00:18:39: Ich habe irgendwann festgestellt, wenn ich von der Arbeit komme und die Arbeit läuft nicht so richtig gut, dann fahre ich mit dem Fahrrad. Je nach Anspannungszustand habe ich die Heimstrecke vergrößert.
00:18:49: Also, ich habe gesagt, wenn ich jetzt genervt bin, brauche ich einfach länger, um runterzukommen.
00:18:54: Dann fahre ich eben den größeren Weg, brauch ich halt länger nach Hause, aber komme auch ganz anders zurück.
00:19:02: Das war so eine Sache, die zumindest einmal zeitweilig meine Gemützustand reduziert hat, weil ich mit weniger Dampf Zuhause ankam.
00:19:23: Aber das war ein Tool, was ich leider viel zu selten genutzt habe, aus Bequemlichkeit, weil ich doch nach Hause wollte.
00:19:34: Mich abgrenzen von den Problemen im Beruflichen, um überhaupt erstmal wieder Platz für das Private zu haben.
00:19:41:
00:19:42: Wir haben uns keine Zeit zum Durchatmen gegönnt, beide nicht.
00:19:45: Jeder auf eine unterschiedliche Art und Weise.
00:19:48: Wir sind natürlich unterschiedlich.
00:19:53: Ich bin total froh, dass du das auch so offen mit uns teilt, denn... Ich glaube, es gibt wahrscheinlich gerade
00:19:59: einfach Menschen,
00:20:01:
00:20:02: die vor genau diesen
00:20:03: Herausforderungen stehen.
00:20:04:
00:20:04:
00:20:08:
00:20:10: Ich glaube, das
00:20:10: ist wahnsinnig hilfreich zu hören:
00:20:12: Mensch, wenn du nochmal zurückschaust und bei euch, nun, hat es jetzt einfach dazu geführt, dass ihr eben heute nicht mehr zusammen seid...
00:20:18: Aber wenn du zurückschaust, dann würdest du das vielleicht auf jeden Fall erst nochmal versuchen und das finde ich total wertvoll.
00:20:26: Und dann komme ich auch schon so Richtung Ende, nämlich: welchen Wunsch hast du denn für Personen, denen es heute so ähnlich geht, wie es euch
00:20:37: ging?
00:20:38: Dass man versucht, Spannungen nicht in der Spannung zu lösen.
00:20:42: Und dass man erstmal guckt, sind beide entspannt. Man kann Probleme nur lösen, auf beiden Seiten, in dem Zustand größtmöglicher Entspannung.
00:20:53: Das kann immer noch ein gewisses Level haben und wenn man was zu Besprechen ist, ist man ein wenig angespannt.
00:20:58: Aber wenn wir da reingehen mit hundert Prozent und einem dicken Hals, dann lassen sich Dinge nicht lösen, ob nun privat oder beruflich. Aber zumindest, sich Raum geben und Zeit nehmen und auch die Voraussetzung einer entspannteren Grundstimmung zu haben.
00:21:15: Ich glaube, nur das führt zu einer Lösung.
00:21:18: Und wenn man merkt, jetzt ist die Spannung noch so hoc, dann muss man das vertagen und das habe ich nicht gut gemacht.
00:21:25: Ich wollte Dinge
00:21:25: dann, wenn sie zu klären waren, auch klären,
00:21:28: auf Teufel komm raus, egal, wie hoch die Spannung war und es hat aber zur keiner Lösung geführt, sondern eher zu weiteren Spannungen und das ist nicht gut.
00:21:34: Man kann nicht immer alles zu der Zeit lösen, in der man meint, das öösen zu müssen.
00:21:40: Auch wenn's gut wäre, das geht einfach nicht.
00:21:43: Dann ist Vertagen manchmal besser.
00:21:46: Jetzt bist du ja auch Chef.
00:21:49: Würdest du das als Führungskraft ähnlich beantworten, wenn es jemandem im Team passiert?
00:21:54: Oder würdest du anders damit umgehen?
00:22:03: Das ist ein interessantes Thema!
00:22:06: Ich habe eine kleine Privatpraxis und mache auch viel Gutachten.
00:22:09: Und ich bin tatsächlich Einzelkämpfer!
00:22:11: Ich hab immer wieder Leute eingestellt, die ich dann einstellen will, die können im Probe arbeiten... Da habe ich echt Schwierigkeiten, die Richtigen zu finden, vor allem weil ich auch keine Vollzeitkraft brauche, sondern Teilzeitkräfte.
00:22:21: Was ich jetzt mache, das ist meine To-Do-Liste für 2026, ich versuche es mit durch mich trainierten KI Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern.
00:22:34:
00:22:36:
00:22:42: Spannend ist das auf jeden Fall.
00:22:43: Und auch ohne emotionale Verstrickungen.
00:22:47: Denn diese halten wir ja da bewusst außen vor.
00:22:55:
00:22:57: Du hast ja so einen Verlauf beschrieben, es gab natürlich eine ganze Menge Angestellte.
00:23:02: Zum Teil habt ihr euch die sogar geteilt.
00:23:05: Wenn du gemerkt hättest, das sich zwischen euren Angestellten Gefühle entwickeln... hättest du da noch einen Tipp für jemanden, der vielleicht gerade in dieser Position ist?
00:23:14: Wir hätten mit unseren Mitarbeitern bewusst keine solcher Situation,
00:23:25: wüsste ich zumindest nicht.
00:23:32: Und sonst so, als Oberarzt und in ähnlichen Geschichten... Da müsste ich ganz weit zurückgucken.
00:23:40: In Hamburg bin ich im AIP gewesen.
00:23:45: Da war eine Technische Assistentin, die war im h inter Ärzten her.
00:23:49: Das hat sie auch so gesagt.
00:23:50: Sie hatte in Prinzip immer schon die eine Beziehung noch gehabt, wenn sie die nächste schon wieder neu ausprobieren wollte.
00:23:57: Also, Multi-Dating so ein bisschen, aber natürlich alles in der Klinik... Und das gab dann Scherereien zwischen den Männern.
00:24:06: Und da würde ich als Chef wahrscheinlich sagen: Hör mal zu... Dann wurden die Ärzte beschleunigt in andere Stationen versetzt, damit die nicht zusammenarbeiten mussten.
00:24:15: Also das war schon spannend.
00:24:17: Ja,
00:24:17: nun, es ist schon die Frage, wer sich so durcheinander bringen lässt.
00:24:20: Aber ich höre raus, es geht auch hier um Besonnenheit, vielleicht auch um Bewusstheit und die Trennung, klar zu halten, was ist beruflich gerade wichtig.
00:24:34: Und was gehört wirklich nur in den privaten Raum?
00:24:37: Das schließt ja mit ein, was du quasi auch über deine eigene Beziehung geschildert hast.
00:24:42: Und wenn wir nun zum Ende kommen, dann darfst Du das Schlusswort natürlich sprechen.
00:24:49: Gibt es etwas, was Du gerne noch sagen möchtest, was bis hierhin noch keinen Raum hat?
00:24:53: Also
00:24:53: wenn's Probleme gibt, darüber sprechen!
00:24:58: Gut ist natürlich auch, zu erkennen, dass es Probleme gibt.
00:25:01: Das ist ja manchmal nicht so einfach.
00:25:02: Man kann sich auch etwas vormachen, aber wenn's schon soweit ist, das hoffe ich für Viele da draußen, dass man Probleme erkennt. Denn Totreden beziehungsweise Schweigen oder Weggucken oder Wird-sich-von-selbst-lösen geht nicht, sondern die Zeit und den Raum finden, drüber zu sprechen. Und nicht glauben, dass das erste Gespräch gleich zur richtigen Lösung führt.
00:25:33: Also, falls es natürlich noch Konkurrenz zur KI-Mitarbeit geben darf, natürlich werden wir deine Kontaktdaten verlinken, so dass man direkt mit dir sprechen kann.
00:25:44: Vielleicht als eine potenzielle Mitarbeiter, vielleicht aber auch einfach, um nochmal nachzuhaken.
00:25:51: Ich sage auf jeden Fall Dankeschön für deine Offenheit und dass du mein Gast gewesen
00:25:57: bist.
00:25:57: Ja, danke auch für die Einladung!
00:26:08: Danke fürs Zuhören.
00:26:10: Wenn dich diese Folge berührt hat, teile sie.
00:26:13: Berufsverkehr findest Du überall dort wo es Podcasts gibt. Bis zur nächsten Begegnung.
00:26:20: Deine Nancy Hanisch.
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